Geschichte ist Dichtung - Wall Street und der Aufstieg Hitlers
Selten habe ich mich in letzter Zeit so an die Worte "Geschichte ist Dichtung" erinnert wie beim Lesen von Antony C. Suttons "Wall Street und der Aufstieg Hitlers". Nach dem Lesen von Suttons Werk erhärtet und bestätigt sich einmal mehr das düstere Gefühl das es "eine Geschichte hinter der Geschichte gibt" und dass "Geschichte vorallem durch den Sieger geschrieben wird". Und da die Machtkonstellation auf der Erde sich mittel- und langfristig immer wieder verändert (sprich: die Sieger von gestern sind die Verlierer von morgen), werden vorallem politische Ereignisse der Geschichte immer wieder einer Neubetrachtung unterzogen werden müssen. Solange bis man irgendwann die bestmögliche Annäherung an die Wahrheit erreicht hat, wohlwissend das eine absolute und objektive Wahrheit betreffend Geschichte nie erreicht werden kann. Für Studenten welche Politikwissenschaft und Geschichte an einer Universität studieren oder Bürger welche auf die Integrität der Masssenmedien vertrauen, dürften sich nach der Lektüre Suttons einige unangenehme Fragen eröffnen, darunter möglicherweise: Wieso wurden solche Zusammenhänge nicht stärker thematisiert an den Unis und in den angeblich so schonungslos recherchierenden und unkorrumpierbaren Konzernmedien?
"Wall Street and the Rise of Hitler" wurde im englischsprachigen Raum Mitte der 70-er Jahre veröffentlicht. Deutsprachige Leser mussten sich bis Ende 2008 gedulden bis das Buch auch in Deutsch veröffentlicht wurde. Nebst "Wall Street and FDR" und "Wall Street and the Bolshevik Revolution" ist es ein Teil von Suttons Trilogie über die Verstrickungen des US-Ostküsten Establishments bei markanten historischen Ereignissen. In "Wall Street und der Aufstieg Hitlers" beleuchtet Sutton den Einfluss und die finanzielle Unterstützung von US-Konzernen beim Aufstieg Hitlers. Ein Einfluss welcher häufig über Verbindungen mit deutschen Grossfirmen ausgeübt wurde (I.G.Farben - American I.G. / General Electric - AEG / Standard Oil's Unterstützung deutscher Firmen zur Herstellung von kriegsrelevanten Gütern etc.). Desweiteren werden die Verbindungen und Motivationen verschiedener US-Banken (Chase, JP Morgan), US-Industrieller und sonstigen kontroversen Personen (u.a Ford, Hanfstaengl, Hjalmar Schacht) untersucht. Suttons Buch wird ergänzt durch zahlreiche Originaldokumente, schematische Darstellungen von Firmenverbindungen und Abschriften von Protokollen (z.B Zahlungsanweisungen von Firmen an das "Nationalen Treuhand" Konto, Protokolle der Nürnberger Prozesse).
Sutton schrieb nebst der obgenannten Wall Street Trilogie weitere kontroverse Bücher wie z.B "America's Secret Establishment" und "Cold Fusion: Secret Energy Revolution". Offenbar haben aber vorallem die Bücher über die Wall Street Sutton zu einer Art akademischen Pariah gemacht. Er wurde aufgrund seiner Arbeit ein Aussenseiter, ausgeschlossen vom selben institutionellen Bildungs- und Meinungsfaschismus welcher auch schon andere Menschen verschiedenster Forschungsrichtungen gebrochen und diskreditiert hatte. Immerhin wurden seine Bücher nicht verbrannt wie diejenigen Wilhelm Reichs...oder Guido Röders deutsche Fassung von "Secrets of the Federal Reserve". Sutton war einer der aufrichtigen Forscher welche nach der Wahrheit suchten, weit fernab der Medienkartelle ("Im Kreuzfeuer der Massenmedien"), dem politisch motivierten "Bildungswesen" der Universitäten und den sogenannt angelsächsischen, wissenschaftlichen Think Tanks à la Tavistock Insitute oder den diversen "ehrbaren" und "philantropischen" Rockefeller Stiftungen. Sutton schien einer der Denker ausserhalb des Systems zu sein. Desjenigen Systems welches Interesse hat gewisse Dinge bis zur Unkenntlichkeit zu verbiegen damit sie ins Konzept der herrschenden Kaste passen. So spiegelt auch der Satz in Suttons Einleitung von "Wall Street und der Aufstieg Hitlers" eine in der derzeitig wütenden Wirtschafts- und Systemkrise unangenehme Aktualität wider:
"Jedes System ist auf seine eigene Weise ein System des Plünderns, eine organisatorische Vorrichtung, die versucht, jeden dazu zu bringen, auf Kosten eines anderen zu leben (oder dies zu versuchen), während die Führerelite, die Herrschenden und die Politiker, den Rahm an der Spitze abschöpfen"-
Und so sind m.E Suttons Forschungen nicht nur eine Anklage gegen die Wall Street, welche als Sinnbild für skrupelloses Geschäftsgebahren steht, sondern vielmehr ein generelles in Frage stellen von Herrschafts- und Wirtschaftssystemen. Ob Kommunismus, Nationalsozialismus, Kapitalismus oder "Scheindemokratie", der Verlierer ist immer das Individuum das früher oder später in jedem System um seine Freiheiten betrogen wird. Sutton hielt offenbar ein Aufbrechen endlos aufeinanderfolgenden Herrschaftssysteme für möglich. Sein Rezept wäre (wie er in wenigen Worten am Schluss von "Wall Street und der Aufstieg" Hitlers festhält) lokale Strukturen und dezentralisierte Gesellschaftsformen sowie freiwillige Gemeinschaften. Ein Aufbrechen der Herrschaftssysteme erfordert jedoch nach Meinung Suttons moralischen Mut und innere Standfestigkeiten. Dies sind Eigenschaften welche ein Individuum entwickeln kann. Offen ist jedoch die Frage ob die Dynamik der Masse es je erlauben wird, dass solche Eigenschaften gesellschaftsweit entwickelt werden können. Und so werden wir als Gesellschaft uns solange im Hamsterrad bewegen bis wir aufhören werden die Verantwortung an Führer, Herrscher, Monarchen, Regierende, Politiker und Parlamentarier abzugeben...und stattdessen anfangen selbstverantwortlich zu handeln. Die Zeichen der Zeit könnten darauf hinweisen das wir momentan an einer Kreuzung der Geschichte stehen an welcher wir die Wahl haben wie die Gesellschaft der Zukunft aussieht. Lassen wir uns nach der Auflösung des jetzigen System was neues aufschwatzen (z.B digitale Weltwährung, totale Kontrolle des Systems über das Individuum etc.) durch diesselben Kräfte welche in der Vergangenheit den Weg bestimmt haben oder kreieren wir als Gesellschaft unseren eigenen Weg zu leben, abseits von Herrschaftsstrukturen und totaler Kontrolle und Bevormundung? Der Leser entscheidet selber ob das zu pathetisch oder zu subversiv klingt.
Für den Leser welcher mehr Informationen braucht bevor er zu Suttons Buch greift, ist das folgende Interview mit Sutton zu empfehlen in welchem er eine kurze Zusammenfassung seiner "Wall Street" Trilogie Bücher wiedergibt. Ansonsten gilt: Wer eine Biografie über Hitler lesen will nimmt Joachim Fest's "Hitler. Eine Biographie", wer Einblick in das Kriegsgeschehen während dem zweiten Weltkrieg will liest Raymond Cartiers monumentales "Der Zweite Weltkrieg", wer jedoch einen kurzen Blick hinter die Fassade der offiziellen Geschichte über den Aufstieg Hitlers werfen will, derjenige greift zu Suttons Werk.
Interview mit Antony C. Sutton, Teil 1 (ca. 9 min)
Interview mit Antony C. Sutton, Teil 2 (ca. 10 min)
Interview mit Antony C. Sutton, Teil 3 (ca. 9 min)
Interview mit Antony C. Sutton, Teil 4 (ca. 7 min)
Interview mit Antony C. Sutton, Teil 5 (ca. 4 min)
